Also peinlich war mir das schon seit einer Weile. Ich bin 18 Wochen in Athen und habe es nicht geschafft die Akropolis von Nahem zu sehen. Als mein Freund nun zum Urlaub da war, haben wir den Aufstieg gemeinsam gewagt. Gleich früh morgens, damit es nicht zu warm ist (was sich übrigens eine Masse an Touristen ebenfalls dachte). „Normalsterbliche“ würden 12 Euro Eintritt zahlen, aber wenn man Student aus Deutschland ist, kommt man mal wieder in den Genuss einer kostenlosen Besichtigung. Danach schauten wir uns das neue Akropolis-Museum an. Von der Akropolis hat man ja schon einiges gehört, aber das neue Museum ist eine kurze Erklärung wert.
Am 20.Juni wurde das Museum mit einer großen Feier eröffnet. Griechenland hatte lange auf diesen Moment gewartet. Dahinter steckt eine längere Geschichte, die einen Kampf beinhaltet, der bis heute nicht gewonnen ist.
Alles fing 1801 an. Damals ließ Thomas Bruce, 7.Earl of Elgin, wichtige Skulpturen des Parthenon auf der Akropolis abnehmen und nach England verschiffen. 1816 verkaufte er alles an das British Museum. Die Kostbarkeiten, darunter fast der gesamte Giebelschmuck inklusive den Großteil des Frieses (Elgin Marbles genannt), sind bis heute in England ausgestellt. Griechenland kämpft nun schon über 200 Jahre für die Rückgabe des Frieses.
Lange Zeit hielt sich das Argument, dass der Fries in Athen keinen geeigneten Ort zum Bleiben hatte; also kein Museum, welches gut genug sei. Das alte Museum auf dem Akropolisfelsen genügte den modernen Ansprüchen schon lange nicht mehr. 1976 und 1979 setzte die griechische Regierung erste Wettbewerbe für ein neues Akropolis Museum an. Aber weiter passierte nichts. Erst im Jahre 2000 wurde ein neuer Wettbewerb gestartet, den der Schweizer Bernard Tschumi gewann. Bis zu den Olympischen Spielen sollte der Entwurf in die Realität umgesetzt werden. Aber wie es so ist, besonders in Griechenland, dauerte es weitere 5 Jahre ehe man das Museum eröffnen konnte.
Der Schwerpunkt des Museums bildet der Parthenon-Saal mit den Dimensionen und exakten Ausrichtungen des Tempels. Er bildet die obere Etage des Museums und wirkt wie „aufgesetzt“. Das Parthenon kann man vom Saal aus sehen und weiterhin kann der Besucher nun den 160 m langen Fries bewundern, welches die große Prozession während der Panathenäen zeigt, das größte jährlich stattfindende Fest zu Ehren der Athena. Jedoch fehlt noch der Großteil des Frieses und so muss man sich mit Gipskopien begnügen.
Das British Museum hat allerdings mit der Eröffnung des neuen Museums ein Hauptargument verloren und wird von der Weltöffentlichkeit zur Rückgabe der Originale gedrängt. Die Verhandlungen laufen ….
Das neue Akropolis-Museum ist trotzdem einen Besuch wert. Die Architektur ist überwältigend und auch wenn mich die ersten Etagen nicht überzeugt haben, ist doch der Parthenon-Saal fazinierend. Außerdem bezahlt man bis zum Ende des Jahres nur 1 Euro Eintritt, Studenten müssen natürlich noch nicht mal den zahlen.
Jule

Der Beweis, dass ich nun endlich da war.

Das neue Akropolis-Museum